Brezelfeste in schwieriger Zeit - 1936

In einer Sitzung des Arbeitsausschusses des Verkehrsvereins am 17. April 1936 im Rathaus Speyer unter dem Vorsitz von Karl Delobelle wurden die ersten Vorbereitungen für das Brezelfest besprochen. Der Vorsitzende stellte gleich eingangs der Sitzung fest, dass das Brezelfest heuer unbedingt stattfinden müsse.

Es bestehe auch ein allgemeines Bedürfnis für die Veranstaltung dieses Festes, wenn die Stadt Speyer gegenüber anderen Städten nicht ins Hintertreffen geraten will. Das Brezelfest soll diesmal im Zusammenwirken mit der Organisation ”Kraft durch Freude” veranstaltet werden und wie früher drei Tage umfassen.

Als Zeitpunkt wurde der 11., 12. und 13. Juli 1936 festgelegt. Als Haupttag gilt wieder der zweite Sonntag im Juli, der sich früher immer bewährt habe, weil er am Ende der Heuernte liege und die Getreideernte noch nicht begonnen habe. Der ländlichen Bevölkerung um Speyer sei damit gute Gelegenheit zur Teilnahme an dem Fest geboten.
Zum Brezelfestzug wurde festgestellt, dass im zweiten Teil (im ersten Teil sollte ein Rückblick auf frühere Motive genommen werden) die neue Zeit dargestellt werden könnte - vornehmlich politische Motive - und zwar in folgender Form:

  1. Die Volksgemeinschaft,
  2. der Nährstand,
  3. der Reichsarbeitsdienst,
  4. die Verherrlichung der Brezel und
  5. der Wehrstand.

Zu Fünftens wurde erwartet, dass die Garnison in entsprechender Form mitwirkt. Der stellvertretende Vorsitzende Fleischmann hatte einige Bedenken dagegen, ob ein Festzug, der nicht nach einem einheitlichen Grundgedanken aufgebaut werde, wirkungsvoll gestaltet werden könne. Im Jahre 1931 habe das Motto ”Vater Rhein” geheißen und der damalige Festzug sei zweifellos sehr wirkungsvoll gewesen. Der Vorsitzende teilte diese Bedenken nicht und glaubte, dass man bei geschickter Anordnung von der politischen Leitung keine Schwierigkeiten zu erwarten habe. Selbstverständlich müsse man sich, wenn das Thema endgültig feststehe, mit den maßgebenden Stellen der Gauleitung in Verbindung setzen. Hier zeigte sich über deutlich der umfassende Machtanspruch des nationalsozialistischen Regimes bis hinein in die Gestaltung eines Festumzugs.

Eintrittsgelder wurden in der bisherigen Form nicht erhoben, dagegen gab es ein offizielles Festabzeichen zu zwanzig Reichspfennigen, welches sichtbar getragen zum Eintritt zu allen Veranstaltungen berechtigte. Der Festplatz war wie zu den ersten Brezelfesten mit Wein- und Bierzelten bestückt. Daneben wurden Würste gegrillt und von den Brezelbuben Brezeln verkauft. Die NAZ  schrieb seinerzeit, dass es bei der Festhalle und den Buden recht lebhaft zuging. Da wurde geschossen, geschiffschaukelt, Reitschule gefahren und Zuckerstangen gekauft. Am Abend erstrahlte der Festplatz im Licht von tausend Glühlampen. Besonders augenfällig für den heutigen Betrachter war, dass beim Festzug und auf dem Festplatz die rot-weiße Speyerer Stadtfahne durch die Hakenkreuzfahne ersetzt wurde.