Es ist geschafft - ein neuer Weltrekord wurde geboren...Nach den Weltrekorden in den Jahren 2013 und 2014 hat Speyer wieder das schier Unmögliche möglich gemacht. Um 19:39 wurde im Festzelt juristisch bestätigt, was jeder Teilnehmer schon ahnte, als der tonnenschwere Tanzboden den Dom passierte - Speyer hat's mal wieder geschafft. Das Dirndl-Lederhosen-Komitee hat die Idee von Thomas Zander bravourös in die Tat umgesetzt. Die Lederhosen-gewandten Tauzieher ließen alle Zuschauer zwar bangen,ob denn auch genug kämen, aber als dann um 18:00 Uhr das "Pull"- Kommando ertönte setzte sich der mehr als 100 Meter lange Tross so zügig in Bewegung, dass die Gesamtstrecke bis zum Dom innerhalb in etwas mehr als 9 Minuten bewältigt war. 

Hier noch der Text der Vorberichterstattung...

Ein aus zehn dreiachsigen Lastwagen bestehender überdimensionaler Tanzboden mit einer Gesamtlänge von 110 Metern und einem Gewicht von 120 Tonnen wird über die Maximilianstraße rollen. Hinzu kommt noch das Gewicht von etwa 600 Tanzbegeisterten in zünftiger Tracht, die auf der rollenden Tanzfläche Platz finden. Das klingt zwar schon spektakulär, aber noch nicht rekordverdächtig. Deswegen wird der Konvoi nicht etwa fahren, sondern alleine durch Muskelkraft bewegt werden. Der Verkehrsverein setzt dabei auf die Spontanität der Besucher. Starke Männer und Frauen sollen vor Ort die Ärmel hochkrempeln und den Tanzboden in Bewegung setzen, während die weniger mit Muskelmasse gesegneten Damen und Herren eine flotte Sohle aufs Parkett legen dürfen. Eins jedenfalls ist klar: das wird wieder eine „Mords-Gaudi“!

Der Tanzboden
Was ist ein Tanzboden? Der Tanzboden ist jener Bereich in einer Lokalität oder im Freien, der zum Tanzen vorgesehen ist. Auf dem Brezelfest war es früher üblich, eine bühnenähnliche Konstruktion als Tanzfläche aufzubauen. Meist erhöht und mit einem Geländer abgegrenzt. Die „Speierer Zeitung“ schrieb zum Brezelfest 1913: „Auf dem Tanzboden drehte sich die Jugend unermüdlich in fröhlichem Reigen“. Manchem Zeitgenossen war das nicht geheuer und vermutete, dass unter dem Tanzboden der Teufel säße.

Berühmte Zeitgenossen und der Tanzboden
Martin Luther, Urheber der Reformation hat sich zum Tanzboden geäußert: „Genuss und Trieb müssten gezähmt, wenn nicht eliminiert werden. Tanzen berge die „Reizung zur Sünde“, sei jedoch erlaubt, sofern es „in Maßen und Zucht“ auf dem Tanzboden zugehe.

Max Weber, deutscher Soziologe und Nationalökonom, vertrat die Ansicht, dass weibliche Arbeiter, welche dem Kreise pietistischer Konventikel* entstammen, qualitativ besonders hervortreten. Das Meiden der Tanzböden und ähnlicher vom „Pietismus“ verpönter Vergnügungen, die Folgen der „protestantischen Askese“ und des durch sie erzeugten innerlichen Verhaltens zur „gottgewollten“ Berufsarbeit, sprechen sich in solchen Erscheinungen deutlich aus.

Auch in der Kunst kam der Tanzboden vor. Albert Kindler, 1833 in Allensbach geboren, ein spätromantischer Genremaler der Düsseldorfer Schule schuf das Werk: „Die Verlassene auf dem Tanzboden“ 1873. Auf dem Bild zu sehen sind mehrere Tanzpaare in einem ländlichen Wirtshaus, im Vordergrund eine junge Frau, die von einer anderen getröstet wird.


Tanzboden heute
Beim Weltrekordversuch im „Tanzboden ziehen“ halten wir uns an die Volksmusikgruppe „Dorfrocker“ mit ihrem Titel „Unter´m Tanzboden sitzt der Teufel“:

"Ob früher oder heute, es ist wie´s immer war, wenn junge Leute feiern, dann lauert die Gefahr.
Unter´m Tanzboden sitzt der Teufel, doch wir rocken das Parkett und dann geht’s hier ab wie Hölle, volles Brett."

 

Am Brezelfestsamstag „geht’s ab wie Hölle, volles Brett“, wenn das "Dirndl-Lederhosen-Komitee" die inzwischen vierte "Trachtenaktion" veranstaltet. Nach dem "Dirndl-Weltrekord" 2013, der "Dirndl- und Lederhosen-Polonaise" 2014, der "Nacht der Tracht" 2015 folgt nun das "Tanzboden ziehen". "Mitmachen – feiern – tanzen", unter diesem Motto lädt der Verkehrsverein alle Dirndl und Lederhosen tragenden Personen ab 12 Jahre, am Brezelfestsamstag, um 17.00 Uhr zur großen Weltrekord-Tauzieh-Gaudi auf die Maximilianstraße ein! Anschließend ist die "Nacht in Tracht" auf dem Festplatz eröffnet.


Mit Muskelkraft gezogen, rollen zehn LKWs vom Altpörtel über die Maximilianstraße am Dom vorbei zum Festplatz. Die LKWs werden untereinander mit Abschleppstangen verbunden. Damit die Sache nicht zu leicht wird, können Lederhosen- und Dirndlträgerinnen auf den LKWs – dem Tanzboden – Platz nehmen. Der ganze Zug erreicht so eine Länge von 120 Metern und wird rund 120 Tonnen auf die Waage bringen.

Kann das funktionieren?
Das Zugseil kommt von der Kanirope GmbH Dortmund. Es handelt sich um ein 4-litziges Trossenschlagseil, hergestellt aus Polypropylen-Spinnfasergarnen. Sogenannte Polyhanf-Seile sind griffig, wetterfest und leicht. Die Bruchlast beträgt 9.300 Dekanewton (daN) und entspricht der Gewichtskraft von 9.300 Kilogramm. Am ersten LKW werden drei Seile an einem lastverteilenden Stahlträger befestigt.

Die Seile sind je 70 Meter lang, an jedem Seil können 70 Männer ziehen. Nach DIN 33 11 - Körperkräfte des Menschen - können beim Ziehen 95% aller Männer ca. 190 Newton (N = physikalische Größe Kraft) erreichen. Je Seil sind das 70 x 190 N = 13.300 N x 3 = 39.900 N. Die 210 Männer können somit ca. 3.990 daN Kraft erreichen. Da die Bruchlast des Seils 9.300 daN beträgt, wird es nicht reißen. Die DIN 33 11 kommt aus dem Bereich der Arbeitsmedizin. Tatsächlich kann ein erwachsener Mann wesentlich mehr als 190 N, entspricht 19 kg ziehen. Die Bruchlast der Seile ist aber ausreichend  bemessen.

Reicht die Kraft der Männer um den Rollwiderstand zu überwinden? Der rollende Tanzboden – zehn LKW – hat ein Gewicht von 120 Tonnen, die mit der Gravitationskonstante 9,81 m/s multipliziert eine zu bewegende Gewichtsmasse von 1.177.200 N ergibt. Dieser Wert ist mit dem Rollwiderstand zu multiplizieren, den ich für das ebene Pflaster der Maximilianstraße auf 0,015 schätze. Dies wären zusammen 17.658 N oder 1.765 daN. Wenn die 210 Männer eine Kraft von 3.990 daN erreichen, können sie den Tanzboden durch Zugkraft zum Rollen bringen. Sollte der Rollwiderstand der Maximilian-straße höher sein, bei echtem Kopfsteinpflaster beträgt der Rollwiderstandskoeffizient 0,03, dann ergibt sich ein Kraftaufwand von 3.531 daN, der von den Männern in Lederhosen noch erreicht wird. Allerdings sollte der Boden nicht nass sein, denn sonst verringert sich die Kraft-Bodenübertragung.

Weitere Widerstände, beispielsweise den Anfahrwiderstand oder Luftwiderstand werden außen vorgelassen, sonst wird´s zu wissenschaftlich.


 

Rückblick auf die Dirndl- Lederhosen-Polonaise 2014...
Nach dem alle Teilnehmer erfasst waren und das Endergebnis feststand - 2.697 Menschen in Dirndl und Lederhosen in einer einreihigen Polonaise, begann Sie... "Die Nacht der Tracht 2014" - ein zünftiges Ereignis.

Ein lauter Böllerschlag verkündete das Ende der Polonaise und das Ergebnis ging wie ein Lauffeuer über den Platz. Noch bis spät in die Nachtstunden wurde gefeiert, getanzt, gelacht und geschunkelt. Hier eine schöne Bilderserie von Johannes Stender auf facebook.